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„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ (Immanuel Kant)


Wie die Riesterrente verkauft wird

Hallo liebe Leser, vor kurzem bin ich auf einen höchst interessanten Artikel gestoßen der die Riesterrente betrifft. Dabei geht es um die gefühlte Auszahlungssumme der Versicherung sowie um die Verkaufsargumente der Versicherungsmakler. Der Artikel wurde von Herrn Siegel verfasst, der mir die grundlegenden Informationen zur Riesterrente mit freundlicher Genehmigung bereitstellt. Seine Meinung beruht aus acht Jahre langer Erfahrung in der Versicherungsbranche. Im Folgenden gehen wir der Frage nach mit welchen Argumenten man jedoch ein Produkt verkauft, welches absolut nutzlos ist, dazu werden wir gleich kommen.
Zunächst werden erstmal einige persönliche Erfahrungen dargelegt, die Herr Siegel in der Versicherungsbranche gesammelt hat.

Wir haben, während wir für eine Versicherung gearbeitet haben, mehrere Lebensversicherungsverträge an Kunden ausgezahlt. Ich kann mich aber an keinen einzigen Fall erinnern, bei den ein Kunde positiv über die Höhe der Auszahlung überrascht war. Bei sämtlichen Auszahlungen rechneten die Kunden schnell nach, was man ihnen beim Abschluss des Vertrages versprochen hatte und was man sich am Tag der Auszahlung leisten konnte. Das Ergebnis war für alle niederschmetternd. Es gab nur eine Sorte von Kunden, die sich über die Auszahlung freuten. Dies waren die Kunden, die vor Jahren ihren Vertrag beitragsfrei gestellt hatten und unterdessen vergaßen, dass dieser überhaupt existierte. Diesen Kunden war es auch egal wie hoch die Auszahlungssumme war. Man freute sich über jeden Euro der unverhofft in die Privatkasse gespült wurde. Wer heute somit alleine der Riesterrente die Schuld für das Rentenfiasko gibt, vergisst dabei sehr schnell, auch die früheren kapitalbildenden Lebensversicherungen lieferten kein besseres Ergebnis.

Sehr interessant nicht wahr? Doch woher kommt diese Unwissenheit? Diese Unwissenheit liegt zum Teil daran das man dem Versicherungsmakler glauben schenkt d.h. ihm vertraut und zum einen liegt es an der Tatsache das man seine Argumente einfach ungeprüft übernimmt, weil man meist selbst zu bequem ist nachzurechnen, ob sich ein Sparvertrag auch wirklich lohnt. Den Unterschied zwischen einer kapitalbildenden Lebensversicherung und den angebotenen Rentenversicherungen findet man jedoch in der Argumentation. Durch die staatliche Förderung erhielt die Riesterrente ein Argument, mit welchen man hervorragend verkaufen konnte. Die scheinbare Rendite, die eine Riesterrente durch die Zulagen jedes Jahr erzielte, lies die meisten Menschen ihren eigenen Traum vom langersehnten Reichtum träumen. Erstaunlich war, der geringste Teil rechnete wirklich nach, ob sich dieses Modell überhaupt lohnte. Statt dessen träumte man von Zuschüssen, Renditen und am Ende von einer fetten Auszahlung, ein Konzept welches seit Jahrzehnten bestens funktioniert.

Für den Verkauf einer Riesterrente gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Möglichkeit war die Folgende: Man sollte den Kunden zeigen, welche eigenen Beiträge er in die Riesterrente einzahlt und welche Förderungen er vom Staat erhielt. Beispiel: Ein Geringverdiener erhält im Monat ein Bruttoeinkommen von 1.000 Euro. Vier Prozent davon gehen in den Riestervertrag, macht also 40 Euro pro Monat. Da er die volle Summe einzahlt, erhält er auch die volle staatliche Förderung von 154 Euro. Rechnet man jetzt den Jahresbeitrag zusammen und setzt diesen ins Verhältnis zu der Förderung, dann ergibt sich daraus eine schöne Jahresrendite. Bei 480 Euro und 154 Euro Zuschuss sind dies mal schnell 32 Prozent. Die Frage die man anschließend stellen sollte um zum Abschluss zu kommen war: „Zeigen sie mir einen Sparvertrag, der ihnen diese Prozente garantiert!“. Wer an dieser Stelle noch haderte, wurde damit beruhigt, dass die Zuschüsse und alle eingezahlten Beiträge garantiert sind. Man konnte mit dem Abschluss einer Riesterrente scheinbar nur gewinnen.

Nun, wer profitiert wirklich davon beziehungsweise wer ist der Gewinner? Die Gewinner sind mit Sicherheit wieder einmal die Versicherungen nur diesmal mit Unterstützung des Staates. Weiterhin wird es problematisch wenn man sich folgende Faktoren anschaut: Dazu kommen mit dem Vertrag Gebühren in Form von Abschlussprovisionen und laufenden Gebühren für die Beantragung der Förderung. Diese Gelder fließen aber nicht in den Vertrag sondern in die Versicherungswirtschaft. Man sollte sich dringend die Frage stellen, was passiert mit den Riesterverträgen bei einer Finanzkrise? Wer übernimmt dann die Auszahlung der Riesterverträge? Möglicherweise der Staat selbst. Ein Gedanke der nicht abwegig ist.

Problemlösung: Wie sollte man aber für das Alter vorsorgen, wenn der Staat keine Alternativen mehr bietet und nur die scheinbare Flucht in die private Altersvorsorge bleibt? Diese Frage kann man nicht allgemein beantworten. Mit großer Sicherheit werden wir aber auch in Zukunft weiterhin eine Grundsicherung erhalten. Ich gehe zudem davon aus, dass wir in 20 bis 30 Jahren eine garantierte Mindestrente besitzen. Warum dies wahrscheinlich ist, ist der demografische Wandel, der immer wieder gerne als Grund genutzt wird, um Altersvorsorgeverträge abzuschließen. Wenn der Anteil der Rentner in Deutschland weiter steigt, werden die Rentner zukünftig die größte Wählerschicht sein. Mit der steigenden Anzahl an Rentnern wird aber auch die Anzahl derjenigen steigen, die unter Altersarmut leiten. Die Partei, die dafür eine Lösung finden wird, wird somit sehr viele Stimmen erhalten. Doch wie kann man das Problem lösen? Indem man natürlich eine Grundsicherung für Rentner einführt, die höher liegt als die derzeitige Grundsicherung, was einer Mindestrente gleichkommt.

Nun mag sich der Eine oder Andere vielleicht nach dem Lesen gesagt haben, alles gut und schön. Nur die Lage ist wie sie ist. Bevor ich mich selbst schädige, indem ich die aus Steuermitteln finanzierte Förderung nicht nutze, schließe ich trotz alledem doch lieber eine Riesterrente ab. Schauen wir doch einmal, ob sich das wirklich lohnt. Ganz tief ist es mittlerweile im kollektiven Bewusstsein der Deutschen verwurzelt: Ohne private Altersvorsorge werde ich mich als Rentner oder Pensionär finanziell gehörig einzuschränken habe. Fakt ist in jedem Fall, die Einkünfte aus der gesetzlichen Rente werden, im Rahmen der derzeitigen Konstellationen, in der Tat bescheidener ausfallen als wünschenswert. Ist eine Riesterrente nun die Lösung?
Dazu konstruiere ich mir einen Beispielbürger. Ich nenne ihn Fritz Schulze. Auch wenn die Daten meines Fritz nicht auf Sie zutreffen (Sie sind: jünger, älter, verdienen weniger oder mehr, leben allein etc.), so wird eine Berechnung mit Ihren ganz persönlichen Daten, zu einem sehr ähnlichem Ergebnis führen. Unser Fritz ist 35 Jahre jung. Er ist verheiratet und hat eine Tochter im Alter von 5 Jahren. Sein jährliches Gesamtbruttoeinkommen beträgt € 35.000. So langsam macht er sich Sorgen um seine Altersrente. Deshalb beschließt er sein Geld in eine Riesterversicherung zu investieren. Eine klassische Variante, denn darin glaubt er seine Anlagen sicherer als in einer fondsgebundenen Version. Er möchte die volle staatliche Zulage und alle Steuervorteile erhalten und dann den entsprechenden Beitrag entrichten. Seine Rente möchte er mit 67 antreten, da er keine Abzüge wünscht. Er rechnet damit, das er für seine Tochter bis zum 25. Lebensjahr die Kinderzulage erhält, da sie vielleicht studieren wird. Fritz weiß nicht genau, an wen er sich wenden soll. Deshalb gibt er bei Google „Vergleich Riesterrente“ ein. Dabei gelangt er auf die Seite „Testberichte.de“. CosmosDirekt* wird Ihm als Testsieger genannte, weshalb er sich dort ein Angebot berechnet.
Es ergeben sich für Fritz folgende Werte: monatlicher Beitrag: € 146,75. Fritz erkennt, dass der Beitrag ab dem 25. Lebensjahr seiner Tochter auf monatlich € 162,17 ansteigt, da dann die Kinderzulage entfällt. Es ergeben sich aus seinem Beitrag folgende Leistungen: flexible monatliche Rente: € 729,46 (nicht garantierter, prognostizierter Wert anhand heutiger Überschüsse) lebenslange garantierte Rente: € 344,- Fritz ist zufrieden. Mit € 729,46 monatlicher Zusatzrente, hat er ein respektables Einkommen. Das sollte zusammen mit seiner gesetzlichen Rente reichen. Tut es das wirklich? Was bei diesen Überlegungen oftmals vergessen wird, ist das Thema der Inflation. Also der Wertverluste unseres Geldes. Durch sie wird die Kaufkraft der Rente entscheidend geschmälert. Außerdem garantiert Fritz niemand, dass die prognostizierte Rente von € 729,46 wirklich erreicht wird. Wie stellt sich nun die Kaufkraft, welche Fritz aus der Auszahlung seiner Riesterrente erhält, unter Berücksichtigung der Inflation wirklich dar. Werfen wir mal einen Blick auf die Zahlen: (Abzüge durch Steuern sind nicht berücksichtigt).

so ergibt sich bei einer angenommenen Inflation von 1,50% (im Jahr 2042=Fritz ist 67) =€ 449,74 bei einer Inflatioen von 2,50% =€ 324,45 und einer Inflation von 3,50% = € 233,28

Das ist sehr ernüchternd. Schon bei 1,5 Prozent Inflation nimmt die Kaufkraft von Fritz Schulzes Riesterrente signifikant ab. Die durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland lag, insgesamt betrachtet, zwischen 1950 bis 2008 bei 1,6 Prozent (Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge, Statistisches Bundesamt Deutschland). Wollen wir hoffen, dass es bei diesen moderaten Wert auch in den nächsten Jahrzehnten bleibt. Denn die durch die Inflation ohnehin schon verminderte Kaufkraft, würde bei dauerhaft höherer Geldentwertung unseren Fritz zu weiteren Altersvorsorgemaßnahmen zwingen. Seine Kaufkraft in seinem Arbeitsleben noch mehr schmälern.

Die zweite Gefahr welche Fritz droht, sind sinkende Zinsen (korrekt gesprochen: Überschüsse) der Versicherungen. Die Gesamtrendite auf den bezahlten Beitrag hat sich für kapitalbildende Lebensversicherungen von durchschnittlich 6,17 % (1999) auf 5,19 % (2010) verringert. Das gilt jedoch nur für Verträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Für Verträge mit 12 Jahren Laufzeit sank die Rendite des Vertrages sogar von 6,22 % (1999) auf 3,36 % (2010) ab. (Quelle: Versicherungsjournal.de). Da klassische Riesterrenten ähnlich investieren wie kapitalbildende Lebensversicherungen, trifft dieser Trend nahezu 1:1 auch auf die klassische Riesterrente zu. Schon heute spüren viele Verbraucher die vor 20 Jahren eine Lebens- oder Rentenversicherung abschlossen, dass die Auszahlungen welche sie erhalten, bei weitem nicht den seinerzeit versprochenen Werten entsprechen. Wenn wir die Angelegenheit schon so genau beleuchten, möchte ich Ihnen hier noch aufführen welches Szenario droht, so Fritz schon mit dem 60. Lebensjahr in Rente geht. Die Auszahlungswerte seiner Riesterrente gestalten sich dann wie folgt: flexible monatliche Rente: € 390,27 (nicht garantierter, prognostizierter Wert anhand heutiger Überschüsse), lebenslange garantierte Rente: € 217,33

Und hier wieder die dazu passende Kaufkraftberechnung:
Angenommenne Inflation im Jahr 2037 (Fritz ist 60); 1,50% = € 267,47 2,50% = € 207,24 3,50% = € 160,16

Was deutlich wird. Die sieben fehlenden Einzahlungsjahre und der geringere Zinseszinseffekt mindern die Rentenleistung gewaltig. Dieses Szenario wird Fritz zwangsläufig zum arbeiten bis 67 zwingen.

Schlussfolgerung:
Was die Analyse eindeutig zeigt: Unklare Inflations- und Überschusserwartungen machen jede Riesterrente zum spekulativen Spiel. Dies trifft ohne Abweichung genauso auf andere Versicherungs- und Bankprodukte zu. Ob fondsgebundene Riester- oder Privatrente, Aktiensparplan, Rüruprente und was es noch so alles an Altersvorsorgeprodukten gibt. Kein einzigstes Produkt gibt Ihnen eine wirkliche Garantie für Ihre Kaufkraft im Alter. Was der Name „Versicherung“ oder „staatlich gefördert“ ja bei Sparmaßnahmen wie der Riesterrente glauben machen könnte. Wer sich in falscher Sicherheit wiegt, weil er eine empfindlichen Teil seines Einkommens in seine private Altersvorsorge investiert, kann eine sehr böse Überraschung erleben. Welche Alternative oder Lösungen gibt es?
Eine sinnvolle Alternative wäre es um der Altersarmut entgegenzuwirken in Sachwerte wie Häuser, Wohnungen oder Edelmetalle zu investieren. Aber um alle Bürger nachhaltig von der Angst vor der Altersarmut zu befreien, ist ein völliger Paradigmenwechsel in der Politik und Wirtschaft vonnöten. So lange sich mit der Angst der Bürger jedoch noch Milliarden verdienen lassen, sehe ich diese Option nicht in greifbarer Nähe.

Quellenangabe: http://www.ploync.de/geld/447-die-riesterluege-wie-die-riesterrente-verkauft-wird.html
http://www.ploync.de/geld/175-die-inflation-frisst-den-gewinn-lohnt-sich-die-riester-rente.html Mit freundlicher Genehmigung des Herrn Siegel. Schaut auch bitte regelmäßig auf seiner Webseite vorbei es lohnt sich:
http://www.ploync.de


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